Hydraulikantriebe: Praktische Anleitung zum Austausch

Ersatzteile - 14/04/2021

Vorgehensweise zum schnellen und sicheren Austausch gebrauchter Hydraulikantriebe

Die Reparatur eines Hydraulikantriebs, bestehend aus Planetengetriebe und Hydraulikmotor ist ein langer und komplexer Vorgang, der mit entsprechendem Zeitaufwand verbunden ist. Bei einem Defekt oder bei Verschleiß ist es oft besser, die komplette Einheit durch einen neuen Antrieb zu ersetzen: Das Vorgehen ist einfacher und effizienter und ermöglicht es, die Ausfallzeiten des Fahrzeugs erheblich zu reduzieren

Sehen wir uns im Detail an, wie der Austausch von Planetengetrieben, die typisch für Fahrzeuge mit hydrostatischer Kraftübertragung (z.B. Kettenfahrzeuge) sind, erfolgt.  

 

Ausbau des gebrauchten Hydraulikantriebs

Nachdem die Ursachen für den Defekt, Ausfall oder die Art des Verschleißes ermittelt wurden, kann der Hydraulikantrieb unter Beachtung der folgenden Arbeitsschritte ausgetauscht werden:

  1. Entfernen der Kette
  2. Wenn das Zahnrad (Turas) wiederverwendet oder vom alten Planetengetriebe abgenommen werden soll, sollte dies erfolgen, wenn das Planetengetriebe bzw. der Antrieb noch am Fahrzeug montiert ist.
  3. Entfernen Sie die Abdeckung, die den Hydraulikmotor im Fahrzeugrahmen schützt.
  4. Lockern Sie die Schrauben (ohne sie vollständig herauszudrehen), die das Planetengetriebe und damit die Antriebseinheit mit dem Fahrzeug verbinden.
  5. Damit die Antriebseinheit nicht herausfällt, achten Sie darauf, die Antriebseinheit bestehend aus Hydraulikmotor und Planetengetriebe mit einem für sein Gewicht geeigneten Riemen zu sichern. Hängen Sie den Riemen an einem Hebezeug auf, sodass der Riemen den Antrieb beim Ausbauvorgang trägt.
  6. Markieren Sie die Schläuche so, dass sie bei der Montage leicht identifiziert werden können.
  7. Verschließen Sie die Schläuche: Dies ist sehr wichtig, um eine Verunreinigung des Hydraulikkreislaufs zu verhindern!
  8. Stellen Sie vor dem nächsten Schritt sicher, dass sich auf der Zahnradseite kein Mitarbeiter vor der Einheit aus Planetengetriebe und Motor befindet.
  9. Entfernen Sie vollständig die Schrauben, mit denen das Planetengetriebe am Fahrzeug befestigt ist.
  10. Fahren Sie mit dem Herausheben des Antriebs fort.
  11. Wenn die Antriebseinheit im Rahmen festhängt, können Sie von der Seite des Zahnrads an der Unterseite einen Hebel ansetzen: So wird ein Blockieren durch das Eigengewicht der Antriebseinheit verhindert.

ITR Usco Hydraulikantriebe

Erforderliche Kontrollen vor dem Einbau der neuen Antriebseinheit 

1. Vermeidung einer Kontamination des Hydraulikkreislaufs
Entfernen Sie unbedingt Schmutz und Schlamm aus dem Bereich, in dem die neue Antriebseinheit installiert werden soll. Achten Sie dabei besonders auf die Hydraulikleitungen. Um Partikel auszuschwemmen, die möglicherweise während des Ausbaus des vorherigen Antriebs in die Hydraulikleitungen gelangt sind, lassen Sie möglichst eine kleine Menge Hydraulik-Öl ab.
Darüber hinaus sollte unbedingt ein Spülzyklus des Hydraulikkreislaufs über ein Filtrationsset (ein Filter mit 100 bar und 10 Mikron ist ausreichend) durchgeführt werden. Die Spülung des Hydraulikkreislaufs erfolgt durch das Verbinden der beiden Hauptzufluss- und Rückflussanschlüsse in einer Spülschleife und das gleichzeitige Verbinden des Pilotanschlusses, der zur Aktivierung des zweiten Gangs dient, mit dem Drainageanschluss. Sobald das Filtrationsset wie beschrieben angeschlossen ist, muss der Hydraulikmotor für die Dauer von mindestens 20 Minuten in beide Richtungen laufen. Nach diesem Spüldurchgang ist der Hydraulikfilter auszutauschen. Dieser sollte dann regelmäßig alle 1.000 Arbeitsstunden ersetzt werden.

2. Überprüfen des Hydraulikölstands
Es ist wichtig, nach dem Ausbau des alten Antriebsund dem Spüldurchlauf, den Hydraulikölstand zu überprüfen. Wenn dieser unter dem Mindeststand liegt, muss er entsprechend ausgeglichen werden, sodass er sich zwischen der Mindest- und Höchstmarke befindet. In jedem Fall sollte die Bedienungsanleitung des Fahrzeugherstellers zu Rate gezogen werden. Achten Sie darauf, niemals verschiedene Ölsorten zu mischen!

 

Einbau des neuen Planetengetriebes

Nachdem Sie alle Kontrollen durchgeführt haben, können Sie mit dem Einbau des neuen Antriebs wie folgt starten:

  1. Befestigen Sie das neue Planetengetriebe an einem Riemen mit ausreichender maximaler Tragfähigkeit.
  2. Wiederholen Sie die Ausbauschritte, jedoch in umgekehrter Reihenfolge (von 12 bis 1)
  3. Schließen Sie die Hydraulikleitungen mit dem größeren Querschnitt (Zufluss- und Rückflussleitung), die vom Steuerventil kommen an.
  4. Um etwaiges Hydraulik-Öl aufzufangen, legen Sie die übrigen Schläuche in einen für die verwendete Ölmenge ausreichend großen Behälter. Dadurch fangen Sie Hydrauliköl, das in den folgenden Installationsschritten austreten könnte auf.
  5. Schalten Sie den Hydraulikmotor unter stationären Bedingungen ein, d. h. wenn das Fahrzeug vom Boden angehoben ist. Lassen Sie ihn mit sehr niedriger Geschwindigkeit laufen.
  6. Aktivieren Sie den zweiten Gang des Fahrzeugs. Stellen Sie fest, aus welchem der Schläuche im Behälter Öl austritt.
  7. Verbinden Sie diesen Schlauch mit dem Pilotanschluss, der zur Steuerung der beiden Gänge dient.
  8. Sollte das Fahrzeug nur über einen Gang verfügt, ist es notwendig, den Pilotanschluss des zweiten Gangs und den Drainageanschluss mit einem Schlauch zu verbinden. Dadurch wird ein Bypass geschaffen. Der Drainageanschluss befindet sich im unteren Bereich des Hydraulikmotors.

Achtung: Überprüfen Sie stets den korrekten Anschluss der Hydraulikleitungen! Ein falscher Anschluss der Hydraulikleitungen kann den Hydraulikmotor beschädigen. Bei einigen Fahrzeugen kann der Anschluss des zweiten Gangs leicht mit den Drainageanschlüssen verwechselt werden (siehe nächster Absatz). Darüber hinaus kann es schwierig sein, festzustellen, welcher Schlauch an welchen Anschluss angeschlossen werden soll. In dieser Phase sollten daher die angegebenen Markierungshinweise mit größter Sorgfalt beachtet werden. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an einen Fachmann. 

 

Mögliche Anschlusskonfigurationen bei ITR-Antrieben

Mögliche Anschlusskonfigurationen bei ITR-Antrieben


Zufluss- und Rückflussanschlüsse (GRÜN): meist sind diese Anschlüsse mit A und B gekennzeichnet und stellen die Hauptein- und -ausgänge dar. Um einen größeren Durchfluss an Hydrauliköl zu ermöglichen, sind diese Anschlüsse häufig größer bemessen. In einigen Fällen handelt es sich um die einzigen Anschlüsse am Hydraulikmotor. Sind hingegen vier Anschlüsse am Hydraulikmotor vorhanden, sind A und B in der Mitte des hinteren Verteilers angeordnet.

 

Drainageanschlüsse (BLAU): die meisten modernen Hydraulikmotoren sind mit zwei Drainageanschlüssen ausgestattet, die normalerweise neben den Hauptanschlüssen angeordnet sind. Meist werden sie mit C1 und C2 gekennzeichnet. Die Position des Drainageanschlusses kann durch Verschließen einer der beiden Anschlüsse mit einem Stopfen geändert werden. Um eventuell vorhandene Luft herauszulassen, sollte der höher gelegene Drainageanschluss verwendet werden. Der niedrigere Drainageanschluss sollte mit einem Stopfen verschlossen werden. Achten Sie auf die Positionierung des Drainagestopfens. Bei der Lieferung sind die Getriebe an einem der beiden Drainageanschlüsse durch einen Metallstopfen und am anderen durch einen Kunststoffstopfen verschlossen. Dies bedeutet nicht, dass dies die richtige Konfiguration für die Installation ist: Diese hängt von der Seite ab, auf der Sie die Antriebseinheit installieren. Möglicherweise müssen Sie die Position des Drainageanschlusses vertauschen. Der unsachgemäße Anschluss des Drainageschlauchs kann zur Beschädigung der Baugruppe führen.


Achtung: In einigen Fällen befinden sich die blauen Anschlüsse in der Mitte und nicht neben den grünen Hauptanschlüssen! Die Anschlüsse der Hauptleitungen an die blauen Anschlüsse sollte man niemals verwechseln. Eine Verwechslung führt zu mechanischen und hydraulischen Beschädigungen des Motors. Ferner führt dies zu einer gefährlichen Situation für den Bediener.

Hydraulikanschluss zur Ansteuerung des Gangs (ROT): meist ist der Pilotanschluss zur Steuerung des Gangs der kleinste des Hydraulikmotors. Je nach Modell kann er sich vorne, an der Seite oder hinten befinden.

Nachfolgend finden Sie einige gängige Konfigurationen der Anschlüsse unserer Hydraulikantriebe:

ITR Usco Hydraulikantriebe 1 ITR Usco Hydraulikantriebe 2
ITR Usco Hydraulikantriebe 3 ITR Usco Hydraulikantriebe 4

 

Ölstandskontrolle

Während der Aus- und Einbauarbeiten kann Öl ausgelaufen sein. Daher ist vor Inbetriebnahme des neu eingebauten Antriebs der Ölstand im Planetengetriebe generell zu überprüft. Sollte der Ölstand nicht korrekt sein, ist der erforderliche Ölstand herzustellen.

Achtung! Nach den ersten 100 Betriebsstunden des Antriebs muss unbedingt das Öl des Planetengetriebes gewechselt werden. Für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Antriebs ist es in jedem Fall wichtig, mit sauberem und nicht kontaminiertem Öl zu arbeiten. Daher sollte danach alle 500 Betriebsstunden ein Ölwechsel erfolgen.

Der Ölwechsel erfolgt auf folgende Art und Weise:

  1. Lassen Sie das Öl ab, solange das Planetengetriebe heiß ist. Drehen Sie das Planetengetriebe so, dass sich einer der Verschlussstopfen unten befindet.
  2. Entfernen Sie beide Stopfen und lassen Sie den Inhalt ablaufen. Wenn der Füllstand des Planetengetriebes zu hoch ist, ist dies ein Hinweis auf einen möglichen Fehler (siehe Anleitung zur Fehlerbehebung).
  3. Sobald der Ölfluss versiegt ist, kann das Planetengetriebe wieder befüllt werden.
  4. Drehen Sie eine der Einfüllöffnungen nach oben.
  5. Befüllen Sie das Planetengetriebe mit der korrekten Ölmenge.
  6. Ersetzen Sie die Verschlussstopfen.

An diesem Punkt sollte über ein an den Hydraulikkreislauf angeschlossenes Druckmessgerät der Hydraulikdruck gemessen werden. Es ist sicherzustellen, dass die Angaben des Herstellers der Antriebseinheit bzgl. der zulässigen Hydraulikdrücke unbedingt eingehalten werden. Sobald alle Hydraulikleitungen angeschlossen sind und die erforderlichen Kontrollen durchgeführt wurden, sollte die Antriebseinheit im Vorwärts- oder Rückwärtsgang aktiviert werden und der Motor der Maschine im Leerlauf gehalten werden. Dieser letzte Schritt dient zur Überprüfung des korrekten Betriebs.

 

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Autor des Inhalts

MASSIMILIANO FEDELE ITR Usco
Massimiliano Fedele
Product Development Manager – Repair Parts Division Kontaktier mich
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